Ansprache des neu ernannten Bischofs im Dom zu Fulda
Bistum Fulda

Ansprache des neu ernannten Bischofs im Dom zu Fulda

am 20.12.2018

Weihbischof Dr. Michael Gerber

Liebe Schwestern und Brüder!


Es bewegt mich sehr, dass Sie heute Mittag und kurz vor Weihnachten, wo es ja vieles zu erledigen gibt, so zahlreich gekommen sind. Aber natürlich, da ist auch das Interesse: „Wer ist der Neue?“ In den vergangenen Tagen haben mich viele Grüße und Zeichen der Solidarität – besonders auch aus dem Bistum Fulda – erreicht. Viele Menschen bringen darin zum Ausdruck, dass sie auf ihre Weise meinen Weg begleiten wollen.


Als ich den Anruf zur erfolgten Wahl erhielt, ging mir in der Bedenkzeit vieles durch den Kopf: In Freiburg stehe ich mitten in vielen Prozessen. Zusammen mit denjenigen, für die ich dort Verantwortung trage, haben wir Ziele formuliert, welche Wegstationen wir in der kommenden Zeit ansteuern wollten. Mir wurde schnell bewusst, dass eine Entscheidung für Fulda auch für nicht wenige Menschen im Erzbistum Freiburg sehr weitreichende Folgen haben würde. Zugleich hatte ich mich in den vergangenen Monaten, insbesondere auch in meinen Exerzitien, die ich vor jenem Anruf aus Fulda hatte, intensiv mit der Apostelgeschichte befasst. Da lesen wir davon, dass die Christen der ersten Generation oft unvermittelt vieles, was ihnen wertvoll geworden war, loslassen mussten. Sehr unvorbereitet mussten sie sich auf eine neue Wirklichkeit einlassen. Bei Begegnungen mit den Dekanatskonferenzen der Erzdiözese Freiburg im vergangenen Herbst oder im Rahmen meiner Verantwortung für den Ständigen Diakonat bin ich mit den Mitbrüdern und den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder dieser Frage nachgegangen: Welche Haltung, welche Mentalität braucht es, um mit solchen Umbrüchen schöpferisch umgehen zu können? Was können wir hier von den ersten Christen lernen? In meinen Augen ist das eine der zentralen Zukunftsfragen sowohl für unsere Kirche als auch für unsere Gesellschaft. Es ist eine der Fragen, denen ich auch mit Ihnen hier zusammen in der kommenden Zeit gern nachgehen möchte.


„Jetzt hat es Dich selbst eingeholt, was Du immer wieder in Vorträgen dargestellt hast.“ – Das war mein vorherrschender Gedanke nach dem Telefonat. Im Blick auf die Apostelgeschichte, auf die gewissermaßen apostolische Zeit der Kirche fragte ich mich: „Ist jetzt, wo der Ruf zum Grab und Wirkungsort des ‚Apostels der Deutschen‘ ergangen ist, für Dich selbst und zusammen mit den Menschen im Bistum Fulda in ganz neuer Weise so eine ‚Apostelzeit‘ gekommen?“


Als in meinem Beten in der Zeit nach dem Telefonat dieser Gedanke zentral blieb, konnte ich schließlich mein „Jawort“ geben zu der großen Aufgabe. Ich danke unserem Heiligen Vater und dem Domkapitel zu Fulda von ganzem Herzen für das Vertrauen, das sie mir als einem relativ jungen Mitbruder schenken. Mein Dank gilt in dieser Stunde besonders auch Bischof Heinz-Josef Algermissen, der über viele Jahre in großer Treue dieses Bistum geleitet hat. Auf vieles, was Du, lieber Heinz-Josef, gewirkt hast, werde ich aufbauen dürfen. Mein Dank gilt zugleich dem Diözesanadministrator, Weihbischof Karlheinz Diez. Lieber Karlheinz, Du bist jetzt in diesen Monaten sehr gefordert und ich habe einen großen Respekt davor, wie Du diese Aufgabe wahrnimmst.


Begleitend zum Vorgang der Wahl und Ernennung des neuen Bischofs haben Sie im Bistum Fulda in den vergangenen Monaten ein Gebet gebetet. Da heißt es:


„Schenke uns einen Bischof, in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig und die Freude des Evangeliums spürbar ist, der uns mit der Liebe und Geduld eines guten Hirten im Glauben stärkt, der die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt, der die Gläubigen eint und sie ermutigt, auf Gottes Ruf zu hören und in Kirche und Welt zu wirken.“


In meinen Augen sind dies wertvolle, wesentliche und zukunftsweisende Impulse. Zugleich ist das ein sehr hoher Anspruch für einen neuen Bischof. So verweist mich dieses Gebet auf die große Vision Gottes mit seinem Volk und zugleich auf meine Grenzen, die ich angesichts der kommenden Aufgabe auch spüre. Aber in der Erfahrung eigener Grenzen steckt auch eine Chance. Wir werden darauf aufmerksam: Gott hat uns nicht als Einzelwesen geschaffen, sondern als Beziehungsmenschen. Unsere je persönlichen Grenzen machen uns darauf aufmerksam, dass wir aufeinander verwiesen sind. So bin ich heute allen dank-bar, die an irgendeinem Ort in diesem Bistum kirchliches Leben gestalten, ob in der Verkündigung, in der Gemeinde, im diakonischen Bereich oder in der Verwaltung. Herzlichen Dank besonders auch allen Menschen im Generalvikariat und darüber hinaus, die jetzt in dieser Umbruchszeit eine Mehrbelastung erfahren.


Insofern gilt das, was an Erwartungen im Gebet für den neuen Bischof zum Ausdruck kommt, nicht allein mir. Gemeinsam im Miteinander der unterschiedlichen Charismen, der vielfältigen Dienste und Ämter werden wir uns den Herausforderungen stellen. Dafür stelle ich mich Ihnen als Bischof gerne zur Verfügung – mit meinem Können und mit meinem Nicht-Können, vor allem aber mit meinem Herzen.


Der erste Weg eines neuen Bischofs von Fulda führt – wie könnte es anders sein – zum Grab des Heiligen Bonifatius. Wenn ich jetzt – unmittelbar vor Weihnachten – zu diesem Grab heruntergestiegen bin, dann hat mich das erinnert an die Geburtskirche in Bethlehem, wo man ebenfalls vorne in der Kirche auf zwei Seiten zur Geburtsgrotte hinuntersteigen kann.


Zusammen mit den Christen aller Konfessionen sind wir in diesen Tagen unterwegs zum Herrn in der Krippe. Das verbindet uns mit den Kirchen des Ostens, die oft in sehr leidvollen Situationen leben. Das vebindet uns aber auch mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern. Fulda ist ja auch der Sitz der Geschäftsstelle des Deutschen Evagelischen Kirchentages. Wenn der dritte ökumenische Kirchentag 2021 in Frankfurt ausgerichtet wird, dann findet er damit bekanntlich auch im Bistum Fulda statt, zu dem ja einige Frankfurter Stadtteile gehören. Ich verstehe dies als ein Zeichen der Ermutigung, als Christen gemeinsam nach dem Weg des Herrn zu suchen.


„Und das Wort ist Fleisch geworden“, so hören wir es in den kommenden Tagen wieder, wenn wir uns im Geiste auf den Weg nach Bethlehem machen. Es ist ein Wort, das längst nicht verstummt ist, sondern es klingt in Zeit und Ewigkeit. Gerade der Blick auf eine Gestalt wie Bonifatius zeigt dies deutlich. Über ihn können wir sagen: „Und das Wort hat Resonanz gefunden.“ Er hat sich mit seiner ganzen Person diesem Wort als Resonanzkörper zur Verfügung gestellt, mit seiner Verkündigung, mit seiner Zuwendung zu den Menschen, mit seinem Glühen für das Wort Gottes, das Christus selbst ist. Und damit zeigt uns Bonifatius, der am Beginn des Christentums hierzulande steht, an, was unsere Berufung als Kirche ist: Ein Raum der Resonanz zu sein für das Wort Gottes. Ein Raum der Resonanz durch die Art und Weise, wie wir von Jesus sprechen, ein Raum der Resonanz durch die Art und Weise wie wir miteinander sprechen und miteinander Beziehung leben, gerade und vor allem auch mit den Benachteiligten unserer Gesellschaft. Ein Raum der Resonanz in der Art und Weise, wie wir unsere Schätze und unsere Grenzen miteinander teilen. An SEINER Krippe hat alles Platz, die Schätze und auch die Grenzen, die wir gerade auch in unserer Kirche immer wieder so bitter erfahren.


Doch gilt für uns die Zusage, die Jesus selbst einst denen gegeben hat, denen er aufgetragen hatte, sein Wort in dieser Welt zu leben: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein (…)“ (Apg 1,8). Dazu erbitten wir den Segen des dreieinen Gottes. Amen.

20.12.2018


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